andreas weinand photographie : künstlergespräch
Okt. 1998, Sheridan College, Oakville, Canada
1. Zu meiner Photographie ........... 1 : 2.1 : 2.2 : 2.3 : 3 I english
Mein Interesse an der Photographie entspringt einem Bedürfnis nach Selbstausdruck
und der Erforschung existenzieller Lebensfragen. Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht die
Suche des Menschen nach Individualität. In Auseinandersetzung mit meiner eigenen
Lebenserfahrung bewegen mich Fragen nach der Bedeutung von Individualität.
Danach, wie sie gelebt und ausgedrückt wird. Ich erforsche die Schnittstelle, an der sich
der Einzelnemit seiner ihm eigenen Persönlichkeit, in seiner Umwelt darstellt. Mich als
gesellschaftliches Wesen begreifend, möchte ich meine Eindrücke, so wie ich sie erfahre,
mit meinen Bildern zur Diskussion stellen.
Ich verstehe Photographie nicht als Medium zur Darstellung einer objektiven Wahrheit.
Schon die Motivauswahl und die Bildgestaltung sind Ergebnis einer subjektiven
Entscheidung. Von daher arbeitet Photographie immer mit den Möglichkeiten der
Inszenierung. Die Verknüpfung von subjektiver Bildgestaltung und der auf dem Bild
erkennbaren Wirklichkeit, lässt den Betrachter sehr leicht die vermittelnde Funktion
von Photographie vergessen. Er glaubt, mit Hilfe des Bildes die Siuation selbst zu sehen.
Dabei handelt es sich jedoch bei einer Photographie um eine künstlerische Dramatisierung.
Am Prozess des Photographierens fasziniert mich die Möglichkeit, erlebte Momente
als Bild fixieren und eine Essenz aus dem Geschehen herausarbeiten zu können.
Diese verschiedenen Realitätsfragmente setze ich in Beziehung zueinander und
komponiere so meine Bildserien. Wenn ich photographiere, beobachte ich die
Menschen sehr genau. Ich wähle die Momente aus, von denen ich glaube, dass
sie die Dargestellten in ihrer Lebenssituation glaubwürdig portraitieren. Doch
welche Bilder ich aus dem Geschehen herausgreife, und welche Aussage ich
durch die Kombination meiner Bilder formuliere, bleibt die subjektive Entscheidung
von mir. Den Dargestellten gegenüber empfinde ich eine Verantwortung und wäge
daher sehr genauab, in welchen Situationen ich photographiere, und welche Bilder
ich öffentlich zeige.