Mein Interesse an der Photographie entspringt einem Bedürfnis nach
Selbstausdruck und der Erforschung existenzieller Lebensfragen. Im
Mittelpunkt meiner Arbeit steht die Suche des Menschen nach Individualität.
In Auseinandersetzung mit meiner eigenen Lebenserfahrung bewegen mich
Fragen nach der Bedeutung von Individualität. Danach, wie sie gelebt und
ausgedrückt wird. Ich erforsche die Schnittstelle, an der sich der Einzelne
mit seiner ihm eigenen Persönlichkeit, in seiner Umwelt darstellt. Mich als
gesellschaftliches Wesen begreifend, möchte ich meine Eindrücke, so
wie ich sie erfahre, mit meinen Bildern zur Diskussion stellen.
Ich verstehe Photographie nicht als Medium zur Darstellung einer objektiven
Wahrheit. Schon die Motivauswahl und die Bildgestaltung sind Ergebnis
einer subjektiven Entscheidung. Von daher arbeitet Photographie immer
mit den Möglichkeiten der Inszenierung. Die Verknüpfung von subjektiver
Bildgestaltung und der auf dem Bild erkennbaren Wirklichkeit, lässt den
Betrachter sehr leicht die vermittelnde Funktion von Photographie vergessen.
Er glaubt, mit Hilfe des Bildes die Siuation selbst zu sehen. Dabei handelt es
sich jedoch bei einer Photographie um eine künstlerische Dramatisierung.
Am Prozess des Photographierens fasziniert mich die Möglichkeit, erlebte
Momente als Bild fixieren und eine Essenz aus dem Geschehen herausarbeiten
zu können. Diese verschiedenen Realitätsfragmente setze ich in Beziehung
zueinander und komponiere so meine Bildserien. Wenn ich photographiere,
beobachte ich die Menschen sehr genau. Ich wähle die Momente aus, von
denen ich glaube, dass sie die Dargestellten in ihrer Lebenssituation
glaubwürdig portraitieren. Doch welche Bilder ich aus dem Geschehen
herausgreife, und welche Aussage ich durch die Kombination meiner Bilder
formuliere, bleibt die subjektive Entscheidung von mir. Den Dargestellten
gegenüber empfinde ich eine Verantwortung und wäge daher sehr genau
ab, in welchen Situationen ich photographiere, und welche Bilder ich
öffentlich zeige.
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