2.2. Sich selbst finden ..........................1 : 2.1 : 2.2 : 2.3 : 3 I english

In Auseinandersetzung mit meiner eigenen Jugend ist von 1988 - 1990 der
Zyklus Sich selbt finden in Essen entstanden. Das Lebensgef
ühl der Menschen,
die ich bei dieser Arbeit photographierte, erinnerte mich entfernt an mein eigenes
Gefühl als Jugendlicher, in der Gesellschaft keine eigene Zukunftsperspektive
zu sehen. Den Protest, den wir damals in der Verweigerung einer Anpassung
an gesellschaftliche Konventionen sahen, empfand ich auch bei den Menschen
die mir bei Sich selbst finden begegneten. Im Laufe der Entwicklung dieser
Arbeit wurde mir jedoch meine interpretierende Position als Photograph sehr
bewusst: Das Geschehen, welches ich bei Sich selbst finden miterlebte, war
nicht mehr mit dem meiner eigenen Jugend vergleichbar. Ich sp
ürte auch,
dass ich ihren Lebensstil mit den Augen eines Erwachsenen betrachtete.
Es lagen mittlerweile mehr als zehn Jahre dazwischen. Aus dieser Spannung
zwischen Sympathie und Distanz entwickelte ich meine photographische
Aussage.

Beide Arbeiten thematisieren die Frage nach der Identit
ät des Einzelnen in
der Gemeinschaft mit anderen. Die Menschen in beiden Gruppen suchen
soziale Kontakte. Sie schaffen Verhaltenskonventionen und demonstrieren
ihre Lebensweise nach aussen. Man kann sagen, dass die Eltern und Familien -
mitglieder bei den Deutschen Volksfesten an einer Reihe von Regeln festhalten,
die vorherige Generationen f
ür sie erschaffen haben, und an deren Vermittlung
f
ür zukünftige Generationen sie jetzt selbst mitwirken. Vereinfacht gesagt,
lehnen die Menschen von Sich selbst finden die Erziehung ihrer Eltern und die
Konventionen der Gesellschaft ab, und schaffen eine Lebensweise, die diese
Ablehnung ausdr
ückt. In der Weise, wie sie ihren Protest leben, schaffen sie
sich aber auch Regeln und Verhaltenskonventionen, die ihre Lebensweise
beeinflussen.
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